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Mühlen

Müllerinnung

01. November 1862 (ZBKBL)

Bekanntmachung.

Behufs eines geregelten Mühlengewerbebetriebes haben sich die unterzeichneten Mühlenbesitzer über folgende Grundsätze geeinigt, welche vom 1. November dieses Jahres ab in ihren Mühlen zur Anwendung kommen:

  1. Keinem Mahlgast kann gestattet werden, sein Getreide selbst zu mahlen oder zu schroten.
  2. Auf die gebräuchliche Mahlmetze, das Staub- und Steinmehl dürfen dem Mahlgast nur in Abzug gebracht werden:

10 Pfund für jede gemahlene 84 Pfund Weizen

10 Pfund für jede gemahlene 80 Pfund Roggen

10 Pfund für jede gemahlene 100 Pfund geschrotenen Getreides

  • Außer diesem Gewichtsabzug e ad 2 darf an Mahlgeld gefordert werden:

2 Silbergroschen für jeden gemahlenen Scheffel Weizen

1 Silbergroschen für jeden gemahlenen Scheffel Roggen und

6 Pfennige für jeden geschrotenen Scheffel Getreide,

  • Das Bezahlen der Mahlmetze findet fortan nicht mehr statt.
  • Auf Mehlhändler und Bäcker finden die Sätze ad 2 und 3 nicht Anwendung; von diesen darf nur und ohne Rücksicht auf die stattfindenden Preise gefordert werden:

a) Vier Thaler von jedem gemahlenen Wispel Roggen zu 1920 Pfd.

b) Fünf Thaler von jedem gemahlenen Wispel Weizen zu 2016 Pfd.

c) Vier Pfund Gewichtsverlust auf Stein- und Staubmehl von jeden gemahlenen 80 Pfd. Roggen und jeden gemahlenen 84 Pfd. Weizen.

  • Zur Bequemlichkeit des Publikums wird möglichst dafür gesorgt sein, dass dasselbe gutes Getreide, Mehl und Kleie, nach den Sätzen ad 2 berechnet, von den Unterzeichneten beziehen kann.

Schließlich wird noch bemerkt, dass die Vereinbarung lediglich nur ein geregelten Mühlengeschäftsbetrieb bezweckt, hingegen keineswegs zu einer Bevorteilung des Publikums führen soll.

Belzig, den 1. November 1862

Völker, Wiere, Jäger, Wachsmuth, Uhlmann, Regendank, Knönagel, Schröter, Franz, Schiering, Kettmann, Frenkel, E. Schiering, Oelschläger, Gause, Bocke, Gutsche, Paul, Schulze, Kuhlmey, Henicke, Oelschläger, Opitz, König, Schley, Schulze, Herrmann.

08. November 1862 (ZBKBL)

Eingesandt.

Unter der Nr. 1347 des vorigen Kreisblattes ist eine Bekanntmachung der Mühlenbesitzer der hiesigen Umgegend erlassen worden, worin unter Anderem gesagt ist, dass für jede gemahlene 80 Pfd. Roggen nur 10 Pfd. Für das Mahlen in Abzug gebracht werden. Wenn der Scheffel 80 Pfd. Wiegt, so beträgt das Gewicht der gebräuchlichen Mahlmetze 5 Pfd., es bleiben also noch 5 Pfd. Mehl, die dem Eigentümer in Abzug gebracht werden, und diese werden gerechnet auf das so genannte Stein- und Staubmehl. Daraus folgt 1) dass, wenn eine mäßige Wassermühle täglich nur 20 Schffl. Roggen mahlt, alle Tage 100 Pfd. Mehl in der Mühle umherfliegen, also in einem Jahr 360 mal 100 Pfd. gleich 36,000 Pfd. Mehl aus dem Mehlkasten auf eine geheimnisvolle Weise herausschlüpfen. 2) Folgt weiter daraus, dass aus unseren Belziger fünf Wassermühlen jährlich 5 mal 36,000 Pfd. gleich 180,000 Pfd. gleich 1,800 Ctr. Mehl in Mehlstaub verwandelt werden. Wenn nun jeder Einwohner von Belzig täglich zwei Pfd. Brodt verzehrt, so können von diesen 1,800 Ctr. Mehl sämtliche Belziger und Sandberger Einwohner gerade 30 Tage oder einen Monat mit Brodt versorgt werden. 3) Das Staub- und Steinmehl von einem Jahre auf sämtlichen preußischen Mühlen würde nach ungefährer Berechnung ausreichen, um das gesamte Militair gegen 3 Jahre mit Brot zu versorgen. Die Militair-Reorganisationskosten würden dadurch gedeckt werden, wenn ein kluger Kopf eine Maschine erfände, die in jeder Mühle den Mehlstaub auffinge; welcher große Segen würde das für die Menschheit sein, und eine Statue von Bronze könnte die Verdienste nicht genug würdigen, das müsste eine von purem Gold sein!

08. November 1862 (ZBKBL)

Einige ganz bescheidene Anfragen.

  1. Nur 10 Pfd., mehr nicht?
  2. Wie geht es denn zu, dass von dem Getreide der Mehlhändler und Bäcker pro Scheffel nur 4 Pfd., von dem des armen Tagelöhners z. B. aber 5 Pfd. theilweise verfliegen, theilweise von dem Ungeheuer, dem Steine, gefressen werden?
  3. Die Herren Mühlenbesitzer bezahlen wohl vom 1. November ab, zur Bequemlichkeit des Publikums, für ein Paar Stiefel nicht mehr 3, sondern 5 Thlr., für eine Hose nicht 1, sondern 1 ½ Thlr., und geben dem Tagelöhner fortan nicht mehr 6, sondern 10 Gr. Tagelohn u.s.w. Ja? Na natürlich!!

22. November 1862 (ZBKBL)

Es ist zu meiner Kenntnis gekommen, dass die im 44. Stücke des Kreisblatts enthaltene Bekanntmachung der Müller des Belzigschen Distrikts Missstimmung und Besorgnisse im Publikum erregt habe, erstere darum, weil die getroffene Vereinbarung hauptsächlich nur gegen das nicht Gewerbe treibende Publikum gerichtet sei, letztere um deshalb, weil scheinbar ein Schutz gegen dergleichen Coalitionen nicht bestehe und das Publikum sich gegen jeden Gewichtabzug durch die Müller unbedingt gefallen zu lassen habe. Dem gegenüber mache ich auf die Mühlenverordnung für die gesamte Monarchie vom 28. Oktober 1810 (Gesetzsammlung de 1810 Seite 98), die Verordnung vom 15. Februar 1811 (Gesetzsamml. De 1811 S. 152) und die Verordnung vom 23. August 1839 (Amtsblatt Seite 294) aufmerksam, nach welcher jeder Müller eine geeichte Mühlenwaage und eine Mühlenwaage-Tabelle in seiner Mühle zu halten verpflichtet ist, welche bei dem Verkehr zwischen den Müllern und Mahlgästen zur Anwendung kommen, sofern nicht ein anderweites freies Übereinkommen zu Stande gekommen ist. Das Publikum ist berechtigt, dem Müller das zum Vermahlen oder Verschroten übergebene Getreide auf der Waage zu zuwiegen und das in der Mühlenwaage-Tabelle (gegenwärtig nach dem neuen Landesgewichten) berechnete Gemahl zu verlangen und der Müller natürlich verpflichtet, demgemäß dasselbe zu verabreichen. Wenn das Publikum von dieser Berechtigung stets gehörig Gebrauch macht: so kann von willkürlicher Behandlung desselben Seitens des Müllers nicht die Rede sein, und es versteht sich von selbst, dass Bevortheilungen des Publikums, insofern sie dennoch vorkommen sollten, dem Strafrecht verfallen. Belzig, den 20. November 1862 Königl. Landrath Zauch-Belzigschen Kreises von Stülpnagel.

29. November 1862 (ZBKBL)

Die Eröffnungen des Herrn Kreislandraths v. Stülpnagel in der Bekanntmachung vom 20. d. Mts. haben zu einer Vorstellung an die Königliche Regierung zu Potsdam Veranlassung gegeben. Von der Entscheidung hierauf werden die Herren Gewerbsgenossen seiner Zeit Kenntnis erhalten.

Inzwischen werden dieselben die unter 1. d. Mts. bekannt gemachten Vereinbarungen in ihrem ganzen Umfange üben. Belzig, den 22. November 1862. Die hiesigen Mühlenbesitzer.

Bezug nehmend auf die Annonce im Kreisblatt Nr. 46 wird bemerkt, dass vom 01. Januar 1872 ab nicht mehr nach Scheffeln, sondern nach Gewicht (Centner, Kilogrammen) ein- und verkauft wird. Die Belziger Müllerinnung.

28. September 1872 (ZBKBL)

Bekanntmachung. Wir setzen das geehrte Publikum von Belzig und Umgegend davon in Kenntnis, dass wir vom 1. Oktober 1872 an sämtliche Mahlprodukte nicht mehr für den bisherigen Preis mahlen können. Der Scheffel Weizen kostet an Mahlgeld 2 Sgr. 6 Pfg., der Scheffel Roggen 1 Sgr. 6 Pfg., der Scheffel Gerste 1 Sgr., Schrot – Korn der Scheffel 8 Pfg.

Die Müllergesellen von Belzig und Umgegend.

05. Oktober 1872 (ZBKBL)

Die Annonce der Müllergesellen in voriger Nr. des Kreisblattes kann von uns nicht in Betracht gezogen werden.

Der Vorstand der Müller – Innung.

15. Juni 1889 Versammlung der Belziger Müller – Innung. Vorsitzender der Innung F. Wiere.

28. Juni 1899 Bekanntmachung. Müller – Innung in Belzig

Nachdem bei der Abstimmung sich die Mehrheit der beteiligten Gewerbetreibenden für die Ein-führung des Beitrittszwanges erklärt hat, ordne ich hiermit an, dass zum 1. August 1899 eine Zwangsinnung für das Müllerhandwerk in den Städten Belzig, Brück und Niemegk, sowie in den Ortschaften der Amtsbezirke Großbriesen, Dippmannsdorf, Lüsse, Sandberg, Mörz, Zeuden, Boßdorf, Dahnsdorf, Raben, Glien, Wiesenburg, Reetzerhütten, Reetz und Schmerwitz mit dem Sitz in Belzig errichtet werde. Von dem genannten Zeitpunkte ab gehören alle Gewerbetreibende, welche in dem Innungsbezirke das bezeichnete Handwerk ausüben, dieser Innung an. Zugleich schließe ich zu demselben Zeitpunkte die zur Zeit bestehende Müller – Innung in Belzig.

Potsdam, den 28. Juni 1899. Der Regierungspräsident.

Veröffentlicht.

Belzig, den 13. Juli 1899. Der Kgl. Landrat des Kreises Zauch – Belzig. von Tschirschky.

In das Genossenschaftsregister ist bei Nr. 41 „Mühlenvereinigung des Kreises Zauch-Belzig e. G. m. b. H. zu Belzig“ am 22. Februar 1926 eingetragen worden: Die Genossenschaft ist durch Beschluss der Generalversammlung vom 28. September 1925 aufgelöst worden. Liquidatoren sind die Mühlenbesitzer Hermann Rießler in Belzig und Paul Fäder in Wiesenburg.

Amtsgericht Belzig.

Müller-Zwangs-Innung zu Belzig (ZBKBL vom 22.04.1905)

Die diesjährige ordentliche Innungs-Versammlung findet am Mittwoch, den 26. April, von Mittags 2 Uhr ab im Viktoriagarten statt.

Tagesordnung:

1. Geschäftsbericht (Rechnungslegung und Festsetzung des Haushaltsplanes 1905-1906)

2. Einziehen der Beiträge und Strafgelder sowie Einschreiben von Lehrlingen.

3. Ergänzungswahl des statutenmäßig ausscheidenden Vorstandes und Mitglieder anderer Ausschüsse

4. Beschlußfassung über die evetl. sofortige Verwendung der Strafgelder.

5. Verschiedenes

Der Vorstand

Prüfungszeugnis Müller Walter Putz aus Schlalach

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